„Bobby“ – Eddie Joyce

DasBuch

img_3491

Verlag: DVA


Bobby junior kommt in die Küche.
„Mom, kann ich einen Doughnut haben?“
Tina zieht die Nase hoch, und Gail wischt sich mit dem Hemdsärmel die Augen. Bobbys Augen glänzen vor Verlegenheit. Gail ringt sich ein lächeln ab. Sein halbes Leben lang kommt der arme Junge schon in Küchen voll weinender Frauen.
„Alles in Ordnung, Bob-a-loo. Wir weinen bloß wegen irgendwas Dummem.“
„Habt ihr über meinen Dad geredet?“


Klappentext

Wie schafft man es, am Verlust eines Sohnes, eines Bruders, eines Ehemanns und Vaters nicht zu verzweifeln? Auch über neun Jahre nach dem Anschlag vom 11. September ist die Lücke, die Bobby Amendolas Tod in seiner Familie hinterlassen hat, noch schmerzlich spürbar. Jeder kämpft auf seine Weise mit dem täglichen Unbill, doch das Vertrauen in die Familie und der Trost aus den kleinen Freuden des Alltags geben ihnen Mut für das Morgen.


Tina sieht an sich herunter. Sie hat sich für den Abend etwas neues gekauft. Ein einfaches schwarzes Kleid. Prada. Ob sie in ihrer Zeit mit Bobby jemals so etwas Teures getragen hat? Wahrscheinlich nicht. Sie waren Kinder. Sie kommt sich wie eine Hochstaplerin vor. Sie möchte von Stephanie bestätigt bekommen, dass es okay ist, was sie hier tut, dass es kein Verrat ist, dass neuneinhalb Jahre ein angemessener Zeitraum sind, dass Bobby einverstanden wäre.


Bewertung

Auf dem Buch ist ein Zitat der New York Times vermerkt: „Der bisher beste Roman, der das menschliche Leid nach dem Anschlägen 9/11 erfasst.“

Ich finde das Buch ist viel mehr. Es beschreibt die Geschichte einer ganzen Familie, vom Anfang bis zur Gegenwart. Man erfährt aus verschiedenen Perspektiven wie die Familienmitglieder den 11. September 2001 erlebt haben. Wie sie die Flugzeuge sahen und wussten ihr Sohn, Bruder, Ehemann und Vater hat heute Dienst. Er ist bei der Feuerwehr. Alle haben ihn nie wieder gesehen. Dabei wird aber nicht auf die Anschläge an sich eingegangen, es geht um viel mehr. Es wird erzählt wie jeder einzelne mit dem Tod versucht umzugehen, wie sich jedes Leben verändert hat und niemals wieder so wurde wie es vorher war. Die Gegenwart des Buches spielt fast 10 Jahre nach Bobbys Tod. Sein Sohn , hat Geburtstag. Er wird 9 Jahre alt. Sein Vater hat seine Geburt nicht mehr miterlebt. Tina, Bobbys Frau hat einen neuen Mann in ihrem Leben. Er soll an diesem Tag der Familie vorgestellt werden. Man bekommt alle Gefühle vermittelt die in solchen Moment auftreten: Freude, Hass, Liebe, Angst, Verständnis, Unglaube, Neid. Eddie Joyce hat es geschafft all diese Emotionen in seinem Buch aufleben zu lassen. Deswegen ist das Buch mehr als nur die Geschichte einer Familie nach 9/11. Es wird beschrieben wie man mit dem Tod eines geliebten Menschen eben nicht einfach so fertig wird. Dabei zählt es nicht wo oder an was der Partner, Freund,… stirbt. Es geht um mehr, als den Tod durch die Anschläge. Es geht darum, dass die Zeit eben nicht alle Wunden heilt.

Der Autor hat das meiner Meinung nach wirklich wunderbar gemacht. Dabei  verzichtet er überwiegend auf einen jugenfreien Ton. Ich glaube ich hab noch nie ein Buch mit so vielen Schimpfwörtern gelesen. Aber das schadet der Geschichte überhaupt nicht. Ich persönlich finde sogar, dass es dadurch nur noch realistischer und persönlicher wird. Man kann sich zu jeder Zeit in jede Person hinein versetzen. Ein wirklich unvergleichliches Buch. Deswegen gibt es auch 4 von 4 Punkte.

vier-punkte


Jemand sagte einmal zu ihr, der größte Schmerz im Leben sei es, ein Kind begraben zu müssen. Sie nickte zustimmend, ahnungslos.
Dann halt es mal aus, ein Kind nicht begraben zu können. Halt es aus, den Tod deines Kindes mit der ganzen Welt teilen zu müssen. Halt es aus die Welt über die Bedeutung dieses Todes debattieren zu hören. Halt es aus, mit anhören zu müssen, wie Leute nebulös über den Tod deines Kindes sprechen und schreiben, in schwammigen Tönen, als ob es nicht Fleisch von deinem Fleisch und Blut von deinem Blut wäre. Kein Mensch. Kein Vater, kein Mann. Kein Sohn.


Fazit

Das Fazit? Kaufempfehlung natürlich! Ich habe selten ein Buch mit so vielen emotionalen Facetten gelesen. Der Bruder der sich von der Familie abgrenzt, der andere Bruder der total abgestürzt. Die ewig trauernde Mutter und die hinterlassene Frau, die verzweifelt versucht sich ein neues Leben aufzubauen. Ganz anders als erwartet. Besser als erwartet.

Viel Spaß beim lesen!


… alle Menschen im Leben, die dir etwas bedeuten, an einem Ort versammelt, um dich zu unterstützen. Du in der Mitte, und alle Furcht ist aus deinem Körper gewichen. Das ganze Spiel liegt vor dir, das ganze Leben, eine unabsehbare Zeit einmaliger Augenblicke, die von diesem Augenblick hier ausgehen, Schatten, die Gestalt annehmen wollen wie die Kinder, die du einmal haben willst, wie Seelen die noch nicht im Dasein sind.
Wenn du die Augen schließt, kannst du sie beinahe sehen.


unterschrift-laura

Advertisements

One thought on “„Bobby“ – Eddie Joyce

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s