„Fuchsteufelsstill“ – Niah Finnik

DasBuch

Fuchsteufelsstill

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Verlag: Ullstein fünf


„Und in England war Selbstmord bis in die Fünfzigerjahre hinein gesetzlich verboten und wurde bei Misslingen des eigenen Versuchs mit der Todesstrafe geahndet. Damals hätte ich es am nächsten Morgen kein Ei zum Frühstück gegeben“, erklärte ich ihm. „Auch nicht an dem Morgen danach. Mein Versuch ist auch misslungen, wusstest du das? Vor zweiundsechzig Tagen.“


Klappentext

Niemand ist normal, ohne verrückt zu sein.

Die siebenundzwanzigjährige Juli steht mitten im Leben – manchmal sogar ein bisschen zu sehr. Sie ist Autistin und jeder Tag bedeutet eine gewaltige Masse an Emotionen, die es zu meistern gilt. Als Juli nach einem missglückten Suizidversuch auf eine psychiatrische Station kommt, trifft sie dort auf die überschwänglich-herzliche Sophie und auf Philipp, der mal mehr und mal weniger er selbst, aber stets anziehend für Juli ist. Die drei nehmen Reißaus und verbringen ein gemeinsames Wochenende, nachdem nichts mehr so ist wie zuvor.


Ich ging den dunkelgrünen Zaun entlang,  der den Garten von den umliegenden Anlagen trennte. Den ganzen Tag über liefen auf der anderen Seite Menschen vorbei und sahen neugierig rüber. Der Zaun war wie die Grenze zwischen zwei Räumen. Ein Raum, in dem die Normalität herrschte, und einem anderen. Auf welcher Seite wir uns befanden, wusste ich nicht.


Bewertung

Es gibt viele Themen welche von der Gesellschaft tabuisiert werden und zu wenig Gehör finden. Noch besser ist es, wenn diese Themen der Kern mancher Bücher darstellen – wie ich Finnik’s „Fuchsteufelsstill“. Ich selbst wurde mit einer dementsprechenden Situation konfrontiert und habe mich in vielen Stellen des Buches wiedergefunden.

Niah Finnik hat auf ehrlich und realistische Weise dem Leser das Thema rund um die psychischen Erkrankungen und deren Therapie nahe gebracht. Schonungslos und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen legt sie Tagesabläufe psychischer Erkrankungen offen, ebenso wie der Aufenthalt in der Tagesklinik. Und auch die Thematik soziale Beziehungen wird angesprochen, denn auch psychisch kranke Personen brauchen Freundschaften wie die Luft zum Atmen.

Finnik’s Schreibstil ist sehr umgangssprachlich und leicht. Der Leser hat das Gefühl, die Geschichte von einer Freundin beim Kaffee erzählt zu bekommen, sodass es trotz der schwerwiegenden Problematik einen richtigen Lesegenuss darstellt. Einige der Kapitel waren mir etwas zu ausgedehnt und hätten besser noch einmal geteilt werden können.

Das Cover ist wunderschön. Ich liebe Füchse und ich liebe die Farben … also genau mein Ding 😀

Ich habe mich sofort mit Juli identifizieren können und musste des Öfteren schlucken, wenn sie ihre Geschichte offen gelegt hat. Ebenso sehr habe ich Sophia und Philipp lieb gewonnen und mit allen drei Charakteren gelitten.

vier-punkte

Ich kann nichts weiter hinzufügen, als volle Punktzahl für dieses grandiose Buch!


„In der ersten Woche bist du hier, während deine Gedanken noch ganz woanders sind. In der zweiten kommst du an und beginnst, alles in Frage zu stellen. Jede Entscheidung, die du triffst. Ich wusste nicht einmal mehr, ob ich Kaffee mag oder nur vor Jahren damit angefangen hatte, ihn zu trinken, weil alle es taten. Danach brauchte ich zwanzig Minuten, um zu entscheiden, welche Marmelade ich mir aufs Brot schmieren will, und soll ich dir was sagen? Ich hasse Marmelade, schon immer. Aber das war das Einzige, was es bei uns zu Hause gab. Ich esse jetzt Pflaumenmus! Wenn du an diesem Punkt bist, verbringst du die folgenden Wochen damit, auszuprobieren, ob du dein Leben lang weiter Marmelade aufs Brot schmieren willst oder es einfach lässt, verstehst du?“


Fazit

Dieses Buch kann ich nur jedem Leser wärmstens empfehlen. Doch Achtung (!) … diese Lektüre ist nichts für übersensible Menschen, welche derartige Themen nicht aushalten. Durch Finnik’s offene und schonungslose Art, kann es einem schnell zu viel werden. Ich würde und werde es definitiv wieder lesen. Bitte mehr davon!


„Es geht immer um die Zukunft.  Was passiert als Nächstes? Was, wenn ich zu laut rede? Oder zu schnell? Was ist, wenn mich niemand hört? Was ist, wenn ich mit den Menschen nichts anfangen kann? Was passiert, wenn niemand mit mir was anfangen kann? Und was, wenn es einer kann? Was ist, wenn ich irgendwann Angst davor habe, Angst zu haben?“


unterschrift-cindy

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Veröffentlicht von

... Studentin (BWL) ... Leseratte ... Kreativkopf ... Konzertgängerin ... verliebt in das Leben ... Hobbyfotografin ... Momentesammlerin ... Instagrammerin ... aufgeschlossen und herzlich ... witzig und hilfsbereit ... ein Mensch wie Du und Ich!

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