„Sieben Nächte“ – Simon Strauss

DasBuch

Sieben Nächte

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Verlag: Blumenbar


Das hier schreibe ich aus Angst. Aus Angst vor dem fließenden Übergang. Davor, gar nicht gemerkt zu haben, erwachsen geworden zu sein. Ohne Initiation, ohne Reifeprüfung einfach durchgerutscht bis zur Dreißig. Alle Abschlüsse gemacht, alle Termine eingehalten, viel gelächelt, wenig geweint, ein bisschen geweint, aber vor allem gelächelt. Auf viele Züge aufgesprungen, kurz mitgefahren, dann wieder die Richtung gewechselt. Ich war schon weit weg, kenne mich aus in der Welt, habe mit vielen gesprochen, eine Menge Bilder gesehen, Stimmen gehört, stand hier und da auch im Wind, aber was mir wirklich etwas bedeutet, woran ich glaube, kann ich nicht sagen.


Klappentext

Schließt die Augen und zerbrecht das Glas

Es ist Nacht, ein junger Mann sitzt am Tisch und schreibt. Er hat Angst. Davor, sich entscheiden zu müssen. Für eine Frau, einen Freundeskreis, einen Urlaubsort im Jahr. Er hat Angst, dass ihm das Gefühl abhandenkommt. Dass er erwachsen wird. Doch ein Bekannter hat ihm ein Angebot gemacht: Sieben Mal um sieben Uhr soll er einer der sieben Todsünden begegnen. Er muss gierig, hochmütig und wollüstig sein, sich von einem Hochhaus stürzen, den Glauben und jedes Maß verlieren. Sieben Nächte ist ein Streifzug durch die Stadt, eine Reifeprüfung, die vor zu viel Reife schützen soll, ein letztes Aufbäumen im Windschatten der Jugend.
Simon Strauß erzählt von einem jungen Mann an der Schwelle, der alles aufbringt, um sich Gewohnheit und Tristesse zu verwehren. Er muss gierig, hochmütig und faul sein, neiden und wüten, Völlerei und Wollust treiben. Sich dem Leben preisgeben, um sich die Empfindung zu erhalten. Im Schutze der Nacht entwickelt er aus der Erfahrung der sieben Todsünden die Konturen einer besseren Welt, eines intensiveren Lebens.


Aber bald, sehr bald, werde ich mich festlegen müssen. Auf ein Leben, eine Arbeit, eine Frau. Bald werden die Tage und Treffen vorübergehen, ohne dass sie etwas verändern. Werden die Momente ohne Wirkung bleiben und die Erschütterungen nachlassen. Ordnung wird herrschen und ich ein Untergebener meines Ehrgeizes sein.


Bewertung

Wer kennt es nicht selbst? Die Jugend streicht dahin und aus unbeschwerten Abenden entwickeln sich nächtliche Stunden voller Sorgen und Nöten. Während es damals der Traum war ohne Geld in die weite Welt zu ziehen, vergeuden wir jetzt unsere Zeit mit Steuererklärungen und Haushaltsplänen. Auch wenn uns die Zeit ewig scheint, so ist es nur ein winziger Katzensprung zwischen der unbeschwerten Freiheit und dem harten Schritt in die Welt der Erwachsenen mit allen Verpflichtungen. Strauss hat ein wirklich gutes Thema aufgefasst und mich sofort persönlich damit angesprochen. Auch ich vermisse sehr oft die Zeit vor all den Pflichten und Sorgen. Die Zeit, in der ich meine Wochenenden spontan gestaltet habe ohne an den morgigen Tag zu denken. Doch Jeder wird erwachsen, oder?!

Vom ersten Moment an hat mich Strauss’s Schreibstil in seinen Bann gezogen. Ich war hin und weg gewesen von der Art, wie er die Sicht des Protagonisten geschildert hat. Während des Lesens hat mein Herz unaufhörlich geflattert und mich wieder in meine eigenen Gedanken und Erinnerungen zurückkatapultiert. Des Weiteren war ich extrem geschockt, positiv natürlich, wie Strauss die einzelnen Gedanken und Gefühle beschrieben hat. Ich hatte noch nie erlebt, dass ein Autor solche wunderbaren Worte und ehrlichen Beschreibungen findet.

Das Cover ist, wie vom Blumenbar-Verlag nicht anders zu erwarten, wunderschön gestaltet. Auch wenn ich das Buch nicht aufgrund des Klappentextes gelesen hätte, dann auf jeden Fall wegen der tollen Aufmachung. Könnte es wirklich stundenlang anschauen.

Strauss hat mich mit rasendem Herzen, einer aufgekratzten Seele und so vielen Gefühlen und Gedanken zurück gelassen wie ich es nicht gedacht hätte.

vier-punkte

Hier gibt es keinerlei Kritik und die winzigen Pünktchen die ich hatte, haben sich beim Schreiben sofort wieder verflüchtigt.


Nicht mehr zu wollen, als man hat, davor habe ich Angst. Den richtigen Zeitpunkt für den Absprung zu verpassen. Nachts über Baustellenzäune zu klettern und sich Sand in die Schuhe zu schieben, den Mantel mit Schlamm einzuschmieren, damit es nach Abenteuer und vollem Risiko aussieht, wenn jemand zu Besuch kommt, das reicht nicht. Ein zerrissener Jackenärmel und ein Knutschfleck am Hals machen noch keinen Helden. Für Kurzausflüge hinter der Komfortzone lohnt der Gesetzesbruch nicht. Das führt nicht ins Offene, sorgt nur dafür, dass alles so bleibt, wie es war.


Fazit

Ich habe noch nie ein derartiges Buch gelesen. Es fällt mir schwer, das Buch in das Genre Roman zu stecken, da es eigentlich eine eigene Schublade bräuchte. Ich bin nicht nur verliebt in den Schreibstil, sondern in das komplette Buch. Bitte kauft es und lest es. Sofort!

P.S.: ich hätte am liebsten das gesamte Buch markiert, weil einfach zu viele Textpassagen zu gut gewesen sind.


Immer um sieben Uhr abends würde er sich melden und mich auf einen Streifzug schicken durch die Stadt. Immer würde ich einer Sünde begegnen, einer der sieben Todessünden. „Auf dass du eine findest, in der du dich wohlfühlst. Oder dich für immer von ihnen abkehrst“, hat er gesagt. Eine Nacht lang hätte ich Zeit nach dem Sturm zu suchen, ihn selbst zu entfachen.


unterschrift-cindy

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Veröffentlicht von

... Studentin (BWL) ... Leseratte ... Kreativkopf ... Konzertgängerin ... verliebt in das Leben ... Hobbyfotografin ... Momentesammlerin ... Instagrammerin ... aufgeschlossen und herzlich ... witzig und hilfsbereit ... ein Mensch wie Du und Ich!

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