„Die Sehnsucht des Vorlesers“ – Jean-Paul Didierlaurent

DasBuch

DieSehnsuchtDesVorlesers

Hier geht’s zum Buch!

Verlag: dtv


Denn nach all den Jahren behandelten die Mitreisenden ihn inzwischen mit der freundlichen Nachsicht, die man harmlosen Spinnern entgegenbringt. Wohl nicht zuletzt, weil Guylain sie in den nächsten zwanzig Minuten ihrem grauen Alltag entreißen würde.


Klappentext

Guylain Vignolles liebt Bücher und hasst seinen Job in einer Papierverwertungsfabrik. Darum liest er jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit den Pendlern im Vorortzug ein paar Seiten vor, die er tags zuvor der Schreddermaschine entrissen hat – sein Akt der Rebellion gegen die Vernichtung von Literatur. Als er im Zug einen USB-Stick entdeckt, auf dem das Tagebuch einer jungen Frau gespeichert ist, verändert das sein Leben. Er muss diese Julie finden. Unbedingt.

 


Was zählte, war der Akt des Vorlesens. Er schenkte jedem einzelnen Blatt seine ungeteilte Aufmerksamkeit, damit das Vorlesen seine magische Wirkung entfalten konnte: Jedes Wort, das ihm über die Lippen kam, befreite ihn ein bisschen von dem Ekel, der ihn beim Gedanken an seine Arbeit überkam.


Bewertung

Dieses Buch ist wirklich ein Meisterstück für jeden Buchliebhaber. Jean-Paul Didierlaurent lässt seine Leser in die Welt der Worte, Buchstaben, des Vorlesens und generell der unsagbaren Liebe zu allen Büchern eintauchen. Denn der Protagonist Guylain hat keine Vorliebe für spezielle Bücher, Autoren oder Genres – er liebt jedes einzelne Wort und jede einzelne Seite in seiner totalen Unvollkommenheit.

Beim Lesen hatte ich stets das Gefühl in das Leben der männlichen Version von der fabelhaften Welt der Amelie Einblick zu erhalten. Mit Guylain hat Didierlaurent einen Charakter geschaffen der sowohl skurril als auch unfassbar herzlich und liebevoll ist. Auch alle weiteren Figuren haben sich sofort in mein Herz geschlichen. Sei es Guylains bester Freund Giuseppe mit dem er sich auf die Reise der verschwundenen Beine begibt, sein Goldfisch Rouget de Lisle oder schlussendlich auch Julie.

Didierlaurent schafft es mit jedem weiteren Satz seine Leser zu verzaubern. Es ist sehr schwer seinen Schreibstil zu bewerten, da sich dieser in keine Schublade packen bzw. vergleichen lässt. Ich hatte stets ein wohliges, heimisches Gefühl beim Lesen und auch wenn dieser Roman nicht unbedingt auf Spannung ausgelegt ist, erwartet man jede neue Seite und versinkt in den Worten.

Beim Lesen des Klappentextes wollte ich das Buch sofort lesen um mehr über die Liebesgeschichte von Guylain und Julie zu erfahren. Ich hatte mir insgeheim einen kleinen Kitschroman erhofft. Doch stattdessen habe ich einen skurrilen und ausgefallenen Roman erhalten, bei dem die Liebesgeschichte nicht so viel wiegt. Auf der einen Seite in Ordnung, jedoch hat es mich auch etwas enttäuscht. Eine ausführlichere und längere Beschreibung der langsam wachsenden Liebe zwischen Guylain und Julie hätte mich wirklich sehr gefreut. Aber da ist auch das weitere Problem: gibt es eine Liebe? Das Ende lässt Raum für Interpretationen übrig. Ob das ein gutes Zeichen ist?

drei-punkte

Auf Grund der letzten zwei Kritikpunkte kann ich nur drei Punkte verteilen.


Julie: Irgendwo tief in mir steckt wohl immer noch das kleine Mädchen, das wenigstens einmal im Jahr noch auf ein Wunder zu hoffen wagt, auch wenn es im Laufe seines Lebens erfahren hat, das dies ebenso sinnlos und dumm ist, wie an die Existenz eines Traumprinzen zu glauben.


Fazit

Trotz der genannten Kritikpunkte hat mich der Roman sofort in seinen Bann gezogen und begeistert. Ich empfehle dieses Buch wirklich jedem Buchliebhaber. Allein Guylains Liebe zu den Worten ist bemerkenswert und man lässt sich gern davon anstecken.

Was ich vielleicht daraus gelernt habe? Ich glaube, dass ich gewisse Wörter, Textpassagen und Seiten bewusster und intensiver wahrnehme. Versucht es doch selbst einmal 🙂


Vor ein paar Tagen habe ich entdeckt, dass es auf dieser Welt jemanden gibt, der eine erstaunliche Wirkung auf mich hat. Jemand lässt alle Farben heller leuchten, nimmt meinem Alltag seine Schwere, wärmt mich von innen, macht das Unerträgliche erträglicher, das Hässliche nicht ganz so hässlich und das Schöne noch viel schöner.


Ich wünsche Euch einen wundervollen Feiertag!

Falls bei Euch auch so ein Schmuddelwetter herrscht wisst Ihr was zu tun ist 😉

unterschrift-cindy

„Der gefährlichste Ort der Welt“ – Lindsey Lee Johnson

DasBuch

DerGefährlichsteOrtDerWelt

Hier geht’s zum Buch!

Verlag: dtv


Ryans Leben öffnete sich nach allen Seiten, es wirbelte und tanzte, flüsterte ihm ins Ohr, was es alles werden würde. Und wer er darin sein würde: Was er wollte. Wer er wollte.


Klappentext

Als Tristan Bloch eines Morgens auf sein Fahrrad steigt und losradelt, auf die Golden Gate Bridge zu, den heißen, schweißnassen Kopf gesenkt, da ahnen wir schon, dass ihn der Verrat seiner Angebeteten, Calista, vernichtet hat. Sein Liebesbrief wurde auf Facebook gepostet, und das war ihre Schuld.

Fünf Jahre später: Kurz nach dem dramatischen Ende einer Abschlussparty betrachtet Calista, Tristans erste und letzte große Liebe, in dem Versuch, die Ereignisse zu begreifen, ein altes Klassenfoto – Tristan, lachend, in seinen unmöglichen grellgelben Trainingshosen, der sanfte Dave Chu, der durchtriebene Ryan Harbinger, Baseball-Captain und Schwarm aller Mädchen, Abigail Cress, damals noch Calistas beste Freundin, die später mit einem Lehrer anbandelte, und all die anderen, die mit dem Leben und der Liebe gespielt hatten. Ihre fröhlichen Gesichter täuschen. »Sie taten, was sie konnten, um zu überleben.«

Für einen von ihnen war Mill Valley, das verträumte reiche Städtchen über der Bucht von San Francisco, ein vermeintliches Paradies, zur Hölle geworden. Und sie, die zurückblieben, waren vom Leben gezeichnet, noch bevor es richtig begonnen hatte.


[…] Aber manchmal nimmt das Leben nun mal überraschende Wendungen, und dann müssen wir unsere Ziele und Ambitionen neu überdenken. Wir können eben nicht immer alles haben.


Bewertung

Man nehme eine perfekte Kleinstadt, eine Gruppe Teenager die alle irgendwie miteinander in Verbindung zu stehen scheinen und verpacke dies mit all deren Problemen in ein Buch.

Seit langer Zeit ist dies ein Buch, welches mich auch durch den Klappentext nicht richtig schlüssig zu sein schien. Ich hatte einerlei Vorstellung was mich erwartet und wie es genau sein und sich entwickeln würde. Ich habe bisher viele positive Meinungen darüber gehört, dass die Leser es verschlungen haben und nicht aus der Hand legen konnten. Tja, was soll ich sagen? Ich kann das sehr gut nachempfinden. Auch wenn ich zu Beginn einige Probleme hatte mich direkt in die Geschichte hineinzufinden, so habe ich es schnell durchgelesen.

Johnson hat einen Roman geschaffen, der dem Leser das Blut in den Adern gefrieren lässt, wobei man sich den Kopf schütteln muss und des Öfteren überlegt wie tragisch und dramatisch die Jugend doch ist. Der Aufbau des Buches ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber sobald man sich ein mal reingefitzt hat geht es wie von selbst. Insgesamt ist die Geschichte in drei Teile unterteilt. Jeder Teil steht für eine andere Zeit bzw. Vergangenheit. Und damit nicht genug – es wird immer wieder zwischen den einzelnen Protagonisten der Geschichte gewechselt.

Es ist schwer die diversen Charaktere zu beschreiben. Alle Personen bauen im Hintergrund aufeinander auf – genauso wie ihre Geschichten die sie mit sich herumtragen. Ein roter Faden zieht sich durch das gesamte Buch: die Geschichte um Tristan Bloch. Wer er war, was passiert ist, wieso dies geschehen ist, wer daran beteiligt ist, wie es auch nach Jahren noch alle Personen spaltet. Aber das müsst Ihr natürlich selbst herausfinden 🙂 Hierbei geht es um die Schönlinge, die sich nichts mehr wünschen als endlich auszubrechen, Mädchen die noch nicht selbst zu sich gefunden haben, verbotene Lieben, Mobbing, Shit-Storm in den sozialen Medien … Und all diese Dinge bauen aufeinander auf, verheddern sich zu einer Geschichte und ergeben am Ende ein Ganzes. Ich habe mich beinahe jeder Person mitgelitten und mich sofort in meine Jugend zurückversetzt gefühlt.

Das Cover ergibt zu Beginn nicht allzu viel Sinn – das ändert sich jedoch bereits im ersten Teil der Geschichte.

Im Großen und Ganzen kann ich sagen, dass mich dieses Buch in sehr viele Gemütslagen versetzt hat und von einem Drama in das Nächste katapultiert hat.

vier-punkte

Volle Punktzahl für dieses tolle Meisterwerk.


Lance hatte gesagt, scheiß auf die Vergangenheit. Lance hatte gesagt, die Gegenwart ist der Ort, wo man sein wollte, und die Zukunft der Ort, den man sich Schritt für Schritt selbst gestaltete.


Fazit

Dieses Buch ist Nichts für hochsensible Leser – wo sehr schnell die Tränen kullern. Es sei denn, man legt es drauf an.

Auch wenn ich dieses Buch verschlungen habe, solltet Ihr euch Zeit einplanen. Zeit um sich in die Geschichte hineinzufinden, alle Charaktere kennen zu lernen und die Zusammenhänge zu erkennen.

Ich kann es Jedem ans Herz legen und sagen, dass dieses Buch sehr zum Nachdenken anregt und auf viele schwere Themen und Dinge hinweist.


„Wenn man aus einem Ort wie Mill Valley stammte, so wie sie und Tristan und alle, die sie kannten, war kein Entkommen möglich. Dieser Ort war so speziell, in seiner Schönheit und seinen Beschränkungen, dass kein anderer Ort ihnen wirklich stimmig erscheinen würde. Sie konnten nicht vergessen, dass diese Welt für sie geschaffen worden war, dass sie in dieses perfekte Nest hineingeboren worden waren, und trotzdem hatten sie darauf bestanden, unglücklich zu sein.“


unterschrift-cindy